Neukirchen

"Kirche und Ort Neukirchen verdanken ihre Entstehung den Siedlungsarbeiten des Ordens der Zisterzienser innerhalb der Sürst. Durch umfangreiche Rodungen innerhalb der heutigen Gemarkung Neukirchen entstand dann der Raum, eine dörfliche Siedlung einzuleiten. Die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarre in Pfarre Neukirchen findet sich in einer Belehnungsurkunde des Erzbischofs von Köln aus dem Jahre 1388, womit dieser einem Gerhard von Buschhoven die Jurisdiktion in „Surse in parrochia Nuwenkirchen“ übertrug. Hiermit ist die Existenz einer Pfarre Neukirchen in der Sürst vor 1388 eindeutig belegt und bestätigt zugleich die Existenz eines vorhandenen Sakralbaues der „Nuwen-kirchen“, einer von Patres gebauten neuen Kirche. Erst nach der Kirchengründung entstanden im Laufe der Zeit Gehöfte im Umkreis der Kirche, bis sich ein Dorf namens Neukirchen gebildet hatte.

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Über den Baubestand der Kirche ab 1405 bis zur Aufnahme weiterer Bauperioden sind keine schriftlichen Zeugnisse zu ermitteln, aber es dürfte der alte Baubestand wegen der räumlichen Enge im Tal, der Armut der Gemeindeangehörigen und nicht der zuletzt wegen der Tradition am angestammten Platze, in dem einschiffigen Bruchsteinbau mit vorgelegtem Westturm und polygonalem Chorabschluß aufgegangen seín. Noch bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts bestand diese Anlage, deren Lagerhaus 21,75m lang und 7,60m breit war und seitliche durch je drei Fenster mit flachen Bögen beleuchtet wurde. Im ersten und zweiten Geschoß befanden sich lediglich Lichtschächte. Das oberste Geschoß, die Glockenstühle, war an jeder Seite von einem Korbbogenfenster durchbrochen. Von diesem Bauabschnitt zeugt heute noch ein Maueranker am Turm mit der Jahreszahl 1787. 1805 trat J. Josephus Helden sein Amt als Pfarrer in Neukirchen an. Zu dieser Zeit war die um 1405 gebaute und 1787 umgebaute Kirche, von der weiterhin keine bildliche Überlieferung vorliegt, nunmehr 400 Jahre alt. Held fand bei seinem Amtsantritt eine gänzlich heruntergewirtschaftete und lange Zeit kaum renovierte Kirche vor. Nach seiner Beschreibung war das Kirchenschiff ohne befestigten Fußboden. Sogar Ratten hatten ihre Wohnung unter der Kommunionbank, und die Tiere liefen während der Christlehre in der Kirche herum. Auf seine Initiative hin entwickelte sich noch vor dem Ende des Jahres 1806 eine entsprechende Bewegung unter den Pfarrangehörigen, zur Verschönerung der Kirche beizutragen. Etwa 600 Platten für die Herstellung eines Fußbodens im Kirchenschiff wurde aus Münstereifel beschafft. Anstelle der alten Kanzel, welche nach der Beschreibung von Pfarrer Helden sehr dürftig war und über der ein alter Himmel hing, wurde auf der gegenüberliegenden Seite des Kirchenschiffes im Jahre 1807 eine säkularisierten Kloster Schweinheim stammende Kanzel angebracht, die durch den Präfekten von Koblenz erhalten hatte. Im Jahre 1828 erfolgten der nächste Schritt. Die Seitenaltäre, die völlig wurmstichig waren, sich aus der Wand lösten und jeden Tag dem Einsturz nahe waren, sollten nun ersetzt werden. Des Weiteren kaufte Heinrich Geradi für 13 Reichstaler den alten Hochaltar der Pfarre St. Martins ab da die sich einen neuen Hochaltar aus einem säkularisierten Kloster kauften. Der Altar wurde am 18. Juni 1808 von Rheinbach nach Neukirchen überführt und sofort in der Kirche aufgerichtet.

Seit Amtsantritt von Pfarrer Helden hatte die alte Kirche nun eine wesentliche Verbesserung ihres Aussehens erfahren, wohin das Pfarrhaus und die Wirtschaftsgebäude in einem trostlosen Zustand waren. Am 23. Oktober 1811, wurde nunmehr auf einer Gemeindeversammlung über die Renovierung der Nebengebäude gesprochen und mit den Vertretern der zugehörigen Ortschaften und Weiler eine Einigung über die Instandsetzung erzielt. Es wurde beschlossen, dass die auszuführenden Arbeiten unter der Aufsicht des Kirchenrates. Bereits Ende November waren die Renovierungsarbeiten am Pfarrhaus und an der Scheune, aber auch einige Dachdeckarbeiten an der Pfarrkirche erfolgreich abgeschlossen.

Am 12. April 1812 traten viele Mitglieder aus dem Kirchenrat aus. Es müsste sich um zu dieser Zeit Verstimmungen innerhalb der Pfarrgemeinde über verschiedene Ausgaben ergeben haben.

Der von 1832 bis 1846 amtierende Pastor Roderburg sorgte in seiner Amtszeit für die Verbesserung und Neuanschaffungen heiliger Gefäße. Zu dieser Zeit war die Größte Glocke der Pfarrkirche geborsten und musste umgegossen werden. 1835 wurde der neue Guß der Glocke zu Ehren der hl. Sebastian und der hl. Margaretha durch G. Claren von Sieglar ausgeführt. Die Glocke trug als weitere Inschrift Renovatum sub domino pastore Roderburg 1835. Eine auf dem Holzgalgen dem Läutwerk angebrachte Jahreszahl 1809 läßt darauf schließen, dass die alte Glocke nur kurze Zeit ihren Dienst getan hatte.

Im Jahre 1842 kaufte Pfarrer Roderburg zwei Meßkelche aus Aachen.

In der Zeit von Pfarrer Friedrich Wirtz (1846 – 1871) wurde die zum Pastorat gehörigen landwirtschaftliche Nutzfläche noch bearbeitet, aber nach seinem Tod von den nachfolgenden Pfarrern aufgegeben. 1871 starb Pfarrer Friedrich Wirtz und wurde als einziger Neukirchener Pastor am Ort beerdigt.

Der von 1871 – 1889 in Neukirchen amtierende Pfarrer Peter Josef Han ließ nun einige Wirtschaftsgebäude abreißen. Mit seiner Pfarrübernahme trat die katholische Kirche in eine außerordentlich spannungsgeladene Zeit mit der preußischen Regierung, in den Kulturkampf ein. Pfarrer Hahn bekämpfte zuständiger Pfarrer entschieden die angebliche Muttergotteserscheinung in Merzbach, die von weither Pilger anzog und teilweise auch von leichtgläubigen Geistlichen gefördert wurde, bis durch polizeiliches Einschreiten diesem Schwindel ein Ende gemacht wurde.

Vom 30.03.1896 bis 01.08.1902 amtierte in Neukirchen Pfarrer Friedrich Josef Pütz. Unter Pfarrer Pütz erfolgte in Neukirchen die Gründung eines Borromäusevereins.

Am 13. Oktober 1902 trat Pfarrer Johannes Otten sein Amt in Neukirchen an. Neubaupläne der Kirche, von Baumeister Rüppel in Bonn erarbeitet, konnten nicht verwirklicht werden und wurden gänzlich verworfen.

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Ab 1909 bis 1922 war Pfarrer J. Leonhard Aretz in Neukirchen tätig. In seine Amtszeit fällt der erste Weltkrieg und 1918, noch vor Kriegsende, die Ablieferung der beiden Glocken zu Rüstungszwecken, die für den Materialwert von 630 Kg mit 2835 Mark vom Staat ersetzt wurden. Die kleine sehr alte Glocke in Zuckerhutform, ohne jede Beschriftung, verblieb der Gemeinde Neukirchen. Erst nach der Inflation und Stabilisierung des Geldwertes beschloß die Kirchengemeinde die Anschaffung neuer Glocken. Es sollten wieder zwei große Bronzeglocken für die Pfarrkirche und eine Glocke für die Kapelle in Merzbach beschafft werden. Glockengießer Mark Brockscheid aus Daun erhielten den Auftrag für Neukirchen die Glocken zu gießen. Am 26. Juni 1926 erreichte die Bahn mit den Glocken Rheinbach und wurde von dort von der Gemeinde feierlich eingeholt und eingeweiht. Für das neue Geläut hatte die Gemeinde 3645 Mark aufzubringen.

Pfarrer  Dr. Leonhard Tesch, der 1923 sein Amt in Neukirchen angetreten hatte, stiftete eine Glocke des neuen Geläuts.

Pfarrer Dr. Teschs Amtszeit endete im Jahre 1934. Der Nachfolger im Amt war Pfarrer Albert Hünerbein. In dessen Amtszeit von 1934 bis 1950 liegt die Bedrückung der Kirche durch das Naziregime und der zweite Weltkrieg. 1941 recherchierte die Geheime Staatspolizei in Neukirchen, 1942 musste die Pfarrgemeinde wiederum ihre Glocken abliefern. Eine der 1926 geweihte Glocken durfte im Turm verbleiben. Nach dem Zusammenbruch des Hitlerstaates 1945, am Tage des Einmarsches der amerikanischen Truppen, war die Kirche in Neukirchen der Sammlungsort der gesamten Bevölkerung. Alle Häuser musste geräumt werden, bis die Truppen die Sürst nach versprengten Soldaten der Deutschen Wehrmacht abgesucht hatten.

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Nach harten Kriegs- und Nachkriegsjahren hatte Pfarrer Eugen Barking 1950 sein Amt in Neukirchen angetreten. Nun verstärkte sich der Wunsch, ein neues Geläut zu beschaffen. Die Firma Mabilon in Saarburg wurde beauftragt, zwei Glocken für Neukirchen zu gießen. Am 14. Februar 1953 konnten die neuen Glocken geweiht werden. Zum Margarethenfest des Jahres 1955 erhielt die Kapelle Merzbach drei neue Glocken aus der Gießerei Mabilon. Am 13. September 1959 wurde eine weitere, die Marienglocke, geweiht. Die ältesten Einwohner der Pfarre, Johann Kann und Maria Frings schlugen als Paten erstmalig die Glocken an. Die Pfarrkirche St. Margaretae zeigte sich im renovierten Glanz und verfügte nunmehr über ein Fünfer-Geläut.

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Ab 1962 bis zu seinem plötzlichen Tode im Jahre 1966 war Pfarrer Gustav Grünbeck der Seelsorger in Neukirchen, gefolgt von seinem Pfarrverweser Heinrich Josef Mehren.

Ab März 1967  war der Pallottinerpater Willibald Wolf mit der Seelsorge in Neukirchen betraut worden, die er bis zum Tode im Jahre 1978 ausübte.

Seit dem 1. Juni 1979 ist der Pallottinerpater Karl Gummersbach Pfarrer von St. Margarethae Neukirchen.

Das alt-ehrwürdige Pastorat in Fachwerk-Bauweise steht restauriert neben der Kirche und ist mit dem renovierungsbedürftigen Pfarrsälchen ein lebendiger Mittelpunkt des kirchlichen Gemeindelebens. Allein 600 Jahre christliche Tradition gehen von diesem Ort Neukirchen aus, der weitaus früher schon christianisiert war."1



1 Robert Koch, Orte und Weiler in der Sürst, Rheinbach 1985, S26 - 129

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